Reget keine Welle sich.
Zeile für Zeile arbeitete ich mich durch die atemberaubende Kunst von Goethe. Mein Atem ging schneller und meine Hand verkrampfte sich, so sehr war ich in dieses Werk vertieft. Es waren die einzelnen Worte die mir die Sprache verschlugen, es war die gewaltige Bedeutung die hinter einem kleinen Text versteckt war. Meine Augen wanderten mehrmals über das Gedicht, das ich schon länger kannte. Doch immer wieder erschien es mir, als würde ich es neu lesen.
Ich murmelte die Wörter und ließ sie mir auf die Zunge zergehen. Ja, vielleicht ließ sich ein normaler Mensch Schokolade oder Kaffee auf der Zunge zergehen, aber Wörter?
So war ich nun mal. Es tat gut, diese seltenen Ausdrücke zu lesen. Wie eine riesige Macht fingen mich diese Verse in ihrem Bann. Ich stellte mir die riesigen Wellen vor. Spürte die Kälte und die trotzdem schwüle Luft. Ich hörte mein Herzschlagen das so laut erklang, inmitten der regungslosen Wellen.
Plötzlich spürte ich einen Stich in meinem Arm. © Copyright 2008 by MonaGrob wurde ich in die langwierige Realität zurückgerufen. Rasch wusste ich, dass Lydia diejenige war, die mich gezwickt hatte. Und ebenso schnell wusste ich auch warum.
